Home        Anmelden        Login        Fragen        Regeln       Mediadaten       Impressum          Cadillac
Ihr Link hier +++ go.be-loocky +++ KontraVerz +++ Loocky +++ Neuwagen mit Tiefstpreisgarantie

:: Hauptmenü ::

  Home
  Anmeldung
  Login
  Features
  Refrally
  Portal
  Top 10 Liste
  Harter Kern
  Gesperrte User
  NEU Forum NEU
  Gästebuch

:: Sponsoren ::

  Anmeldung
  Login
  Preise

:: Projekte ::

  Jackpot-Mailer
  Bikini-Mailer
  Hamburger-Mailer
  Mini-Mailer
  Siggys Ziper
  Siggys Inmarket
  Schokolade
  Bolero24
  Joker X
  Goldrausch
  nano24
  Sexy High-Heels
  Reisebüro







Ich wohne in einem Cadillac

Partys und Shopping - das waren früher ihre Hauptbeschäftigungen. Aber dann kam die Scheidung.
Plötzlich war Sandra W., 54, arm und obdachlos.
Aber sie wahrt den Schein. Mit verblüffenden Überlebenstricks.


Ich wohne in einem Auto - und das steht in einem Hinterhof in Brentwood, einem gutbürgerlichen Viertel von Los Angeles. Vor zwei Jahren war noch alles ganz anders: Damals bestand meine Hauptbeschäftigung darin, mich zu amüsieren. Dann reichte mein Mann Herbert die Scheidung ein. Hätte Herbert es mir nicht gesagt, ich hätte es wohl nie erfahren, daß er eine Freundin hatte. Ich habe auch nicht gemerkt, wie er mich geschickt ausbootete. Bis ich eines Tages an meine Aktien wollte und feststellte, daß ich keine einzige mehr besaß. Herbert hatte alle meine Beteiligungen auf sein Konto übertragen. Heimlich hatte er all sein Geld auf die Seite geschafft und erschien vor dem Scheidungsrichter als "armer Mann". Mir sagte man, ich könne noch froh sein über die 600 Mark, die ich monatlich von ihm bekäme. Als Herbert unser Haus verkaufte, erhielt ich nur einen winzigen Anteil vom Erlös - und wurde obdachlos.



Anfangs bemühte ich mich noch um einen Job. Aber wer nimmt schon eine Frau über fünfzig, deren einzige Ausbildung ein Kunstgeschichtsstudium ist? Ich versuchte es als Kassiererin in einem Kaufhaus, aber ich kapierte nicht, wie die Registrierkasse funktioniert, an meiner Kasse bildeten sich immer lange Schlangen; nach einer Woche wurde ich gefeuert. Also war ich auf den monatlichen Scheck von Herbert angewiesen; mein bißchen Erspartes - das konnte ich mir schnell ausrechnen - würde nach zwei Jahren restlos verbraucht sein, wenn ich nicht wahnsinnig vorsichtig damit umging. Das größte Problem war die Wohnung, womit sollte ich die bezahlen? In Los Angeles braucht man mindestens 2000 Mark für ein kleines Appartement. Ich habe zuwenig, um vernünftig zu leben - aber zuviel, um als Sozialfall unterstützt zu werden. Hier bekommt man erst dann Sozialhilfe, wenn man weniger als 170 Mark im Monat zur Verfügung hat. Außerdem darf man kein Auto oder sonstige Wertgegenstände haben. Aber von meinem Auto könnte ich mich niemals trennen! Mein Cadillac ist der einzige Luxus, der mir geblieben ist. Außer dem Haus war mir mein Auto schon immer das Wichtigste. Also entschied ich, meine teuersten Kleider zu verkaufen und das Geld in die Ausstattung meines Wagens zu stecken. Mein Cadillac wurde mein Zuhause!

>> Von meinem Cadillac könnte ich mich nie trennen. Er ist der einzige Luxus, der mir geblieben ist <<


Für ein paar Nächte leistete ich mir ein Motel, während eine Kühlbox in den Wagen eingebaut wurde. Außerdem ließ ich die Rückbänke herausnehmen und statt dessen ein Bett einbauen. Darunter sind mehrere Schubladen installiert, an einer Seite ist eine Stange befestigt, die als Garderobe dient. Meinen alten Nerzmantel benutze ich jetzt als Decke und tagsüber als feudalen Bettüberwurf. Damit keiner von außen hineinsehen kann, ließ ich getönte Scheiben einsetzen.

Ich hätte nie eine Wohnung mieten können, die mir diesen Komfort bietet und die es mir ermöglicht hätte, in meiner vertrauten, guten Gegend zu bleiben. Damit habe ich mir ein Stück meines Selbstwertgefühls erhalten. Ich hätte es nicht ertragen in einem armseligen Loch in einem Slum oder Vorort zu hausen. Ich wußte, wenn ich mit meiner Situation irgendwie zurecht kommen wollte, mußte ich möglichst genauso weiterleben wie frührer.

 

Etwa 1995:
Siggys älteste Kinder Tobias und Jessica
mit einem Cadillac
aus dem Jahre 1959


Nur eine einzige meiner alten Freundinnen, Jane, hält noch zu mir; alle anderen haben sich von mir abgewandt. Jane hat mir erlaubt, daß ich mein Auto in ihrem Hinterhof abstelle. Sie hat mir sogar ein kleines Gartenhäuschen aus Metall gekauft. Darin ließen wir eine tragbare Toilette einbauen, die ich am frühen Morgen oder spätabends, wenn mich niemand sieht, benutzen kann.

Unter keinen Umständen wollte ich Dauergast bei Jane werden, das hätte uns irgendwie die Freundschaft gekostet. Sie hat mir mehrmals angeboten, in ihrem Haus zu leben, aber ich  finde, "nach drei Tagen stinkt der Fisch - und der Gast"!

Freunde und Bekannte, die ich nach meiner Katastrophe kennengelernt hatte, treffe ich meist zu einer Tasse Tee und einem Croissant in einem Café, manchmal verabrede ich mich auch in einem Shopping-Center - aber ich kaufe nie etwas. Bei diesen Treffen versuche ich immer, die Unterhaltung von meinen persönlichen Lebensumständen fernzuhalten. Das ist nicht schwer; denn die meisten Leute reden ja sowieso am liebsten über sich selbst. Das einzige Problem dabei ist, immer wieder eine Ausrede zu finden, warum ich niemanden nach Hause einlade und dort auch nie anzutreffen bin.

Damit ich wenigstens indirekt erreichbar bin, habe ich in Janes Haus einen Anrufbeantworter, auf dem man mir eine Nachricht hinterlassen kann. Der Anrufbeantworter meldet sich mit Janes Telefonnummer, ohne Namen - so daß niemand etwas merkt.

Einer meiner wichtigsten Grundsätze ist, auf meine äußere Erscheinung dieselbe Sorgfalt zu verwenden, wie früher. Als ich meine Kleider verkaufte, achtete ich darauf, eine kleine, aber sehr elegante und gut kombinierbare Auswahl zu behalten. Ich behielt meine seidenen Blusen; denn jede gutbetuchte Frau weiß, daß zerknitterte Seide sehr schick ist. Außerdem behielt ich vor allem die pflegeleichten Teile, die ich von Hand in einer Damentoilette waschen kann. Anschließend trockne ich sie unter dem Fön.

 

Im Jahre 2005:
Siggys jüngste Tochter
Viviane
mit einem Cadillac
aus dem Jahre 1959


Heute kann ich es mir nicht mehr leisten, meine Sachen in die Reinigung zu geben, also habe ich mir den Trick mit dem Fitneß-Center ausgedacht. Am besten ist, wenn der Klub gerade erst eröffnet hat. Interessiert schaue ich mich um und tue so, als wolle ich Mitglied werden. Wenn man es geschickt anstellt, kann man alles umsonst haben, sogar die Massage. Bei meinen Besuchen im Fitneß-Studio ziehe ich immer das an, was am dringendsten eine Reinigung braucht. Wenn ich dann aus dem Schwimmbad komme, heuchle ich große Empörung und beschwere mich beim Manager, daß jemand mein kostbares Kleid auf den Boden geworfen hat. Da bleibt ihm nichts anderes übrig, als es auf seine Kosten reinigen zu lassen.

Meine Kosmetika organisiere ich mir mit diesem Spielchen: Ich frage im Kosmetikladen, ob ich dies oder jenes mal ausprobieren darf, weil ich leider eine sehr sensible Haut habe und bitte sie um eine Probe. Manchmal fühle ich mich durchschaut. Ich muss vorsichtig sein, um nicht zweimal an dieselbe Verkäuferin zu geraten.

Mein langes Haar ließ ich kurz schneiden, so daß ich es problemlos in der Damentoilette eines Hotels waschen und fönen kann.

Duschen ist aber der reinste Luxus für mich. Ich habe drei verschiedene Hotels, in die ich mich abwechselnd einschleiche und nach einem Zimmer suche, das gerade von einem Gast geräumt wurde. Wenn die Luft rein ist, schließe ich mich im Badezimmer ein und dusche in aller Ruhe. Die besten Zeiten dafür sind der frühe Morgen oder der späte Nachmittag.

>> Einmal in der Woche gehe ich zu einem Juwelier und lasse mir teuren Schmuck vorführen. Ein gutes Gefühl, als wäre alles wie früher <<


Einmal in der Woche gehe ich zu einem Juwelier und lasse mir teuren Schmuck vorführen. Die Verkäufer behandeln mich so, als könnte ich kaufen, was ich möchte. Ich liebe das Gefühl und glaube dann für kurze Zeit, es wäre alles wie früher. Aber sobald ich wieder Hunger bekomme, weiß ich, daß alles nur schöner Schein war.

Was das Essen angeht, mußte ich meine Ansprüche ziemlich herunterschrauben. Zum Frühstück gibt es jetzt nur noch ein trockenes Brötchen mit einer Tasse Kaffee, mittags esse ich meist Gemüse und Früchte - Sonderangebote! Am Abend hole ich mir dann ein Schälchen Reis vom Chinesen oder eine Currywurst.

Aber auf die Dauer ist das alles nicht sehr amüsant, deshalb gehe ich auch abends häufig aus, um mich abzulenken. Meistens bin ich allein unterwegs, aber es gibt ja so viele Singles, die sich über einen kleinen Schwatz an der Hotelbar freuen. Bei solchen Gelegenheiten habe ich immer eine kleine Plastiktüte in meiner Handtasche. Inzwischen gelingt es mir ganz gut, die Essensreste heimlich einzustecken.
 

Siggys
pinkfarbener
Cadillac



Mit all diesen Tricks komme ich mit meinen 600 Mark im Monat ganz gut über die Runden - aber was passiert, wenn ich krank werde? Wenn ich zum Arzt müßte, könnte ich nicht einmal die erste Rate seiner Rechnung bezahlen, und versichert bin ich schon lange nicht mehr. Die andere große Sorge ist mein Cadillac. Die Steuer bezahle ich zwar noch, aber die Versicherung mußte ich kündigen. Gnade mir, wenn ich in einen Unfall verwickelt werde! Da ich aber sowieso nur ein ganz kleines Budget für Benzin habe, kann ich nur kurze Touren machen.

Von meinen Verwandten ahnt keiner, unter welchen Umständen ich lebe. Nicht einmal meine Tochter Stephanie, die seit langem um die Welt reist. Hin und wieder schickt sie mir Briefe an mein Postfach, an das auch Herbert seinen monatlichen Scheck adressiert. Keiner von beiden käme jemals auf die Idee, daß ich in einem Auto wohne. Warum sollte ich es ihnen erzählen? Stephanie würde es belasten, aber helfen könnte sie mir auch nicht. Und Herbert? Besser, daß er nichts erfährt, vielleicht würde ihn meine Misere sogar erfreuen.

>> Bei Hochzeiten gibt es immer gut und viel zu essen. Und niemand fragt eine elegant gekleidete Dame mit Cadillac, ob sie auch wirklich eingeladen ist <<


Außerdem könnte sich bald Entscheidendes ändern. Vor zwei Monaten habe ich bei einer Hochzeitsfeier Richard kennengelernt. Hochzeiten sind übrigens eine feine Sache: Es gibt immer gut und viel zu essen, man hat Spaß und begegnet interessanten Leuten. Die Einladung ist kein Problem; niemand fragt eine elegant gekleidete Dame, die aus einem Cadillac steigt, ob sie eingeladen ist. Nur ein einziges Mal ist mir das passiert, da habe ich den Diener oder was er war nur kurz mit hochgezogenen Augenbrauen angeschaut und gefragt: "Kennen Sie mich nicht?" Es war ihm furchtbar peinlich.

Bei einer solchen Hochzeit also habe ich Richard kennengelernt; wir mochten uns vom ersten Augenblick an. Er hat mich auch schon mehrmals zum Essen eingeladen. Er ist geschieden und hat, wie er sagt, das Alleinsein satt. Ich glaube, es könnte was werden - mit uns beiden.

Aufgezeichnet von Marjorie Burd - aus Marie Claire, München
 


Mehr Cadillacs - klick hier

 

Christine
Neubauer
als
Norma

vor einem
pinkfarbenen
Cadillac Eldorado
aus
dem Jahre
1972

Pink Cadillac
Die Legende im Lied.